Pillkoppen – Epha und der Kampf gegen den wandernden Sand
Wer heute auf der Kurischen Nehrung über die hohen Dünen blickt, sieht eine der eindrucksvollsten Landschaften an der Ostsee. Doch was heute als Naturwunder erscheint, war für die Menschen auf der Nehrung über lange Zeit eine existentielle Bedrohung.
Der Sand wanderte.
Dünen verschütteten Felder, Wege und ganze Dörfer. Auch Pillkoppen, das heutige Morskoje, musste mehrmals vor dem vorrückenden Sand weichen.
Ein Dorf auf der Flucht vor dem Sand
Pillkoppen gehört zu jenen Orten der Kurischen Nehrung, deren Geschichte unmittelbar mit den Wanderdünen verbunden ist.
Die Bewohner mussten erleben, wie sich der Sand immer weiter ihren Häusern näherte. Teile früherer Ansiedlungen wurden aufgegeben und vom Sand begraben. Das Dorf wurde mehrfach verlegt.
Im 19. Jahrhundert drohte erneut eine große Düne auf Pillkoppen vorzurücken.
Nun begann ein Kampf, der Jahrzehnte dauern sollte.
Wilhelm Franz Epha
Einer der Männer, die sich diesem Kampf verschrieben, war Wilhelm Franz Epha.
Epha wurde 1828 in Goldap geboren und arbeitete später als Düneninspektor auf der Kurischen Nehrung. Ab 1887 widmete er sich besonders der Befestigung der bei Pillkoppen vorrückenden Dünen.
Die Aufgabe war gewaltig.
Der Sand durfte nicht einfach sich selbst überlassen bleiben. Mit Reisig und Rohr wurden Flächen unterteilt und der Wind gebremst. Sandverträgliche Gräser sollten mit ihren Wurzeln den Boden festhalten. Später kamen weitere Bepflanzungen und Kiefern hinzu.
Was heute wie eine natürliche Dünen- und Waldlandschaft aussieht, ist deshalb zu einem erheblichen Teil auch das Ergebnis menschlicher Arbeit.
Zur Geschichte Pillkoppens und Wilhelm Franz Ephas
Ephas Höhe
Ephas Arbeit hatte Erfolg.
Die große Wanderdüne konnte stabilisiert werden und Pillkoppen blieb erhalten. Noch heute erinnert die Epha-Höhe an den Mann, der einen wesentlichen Teil seines Lebens dem Kampf gegen den wandernden Sand widmete.
Von dort eröffnet sich ein weiter Blick über die Dünenlandschaft, das Kurische Haff und die Nehrung.
Was für heutige Besucher ein großartiges Panorama ist, bedeutete für die damaligen Bewohner jedoch etwas ganz anderes:
Es war die Landschaft, die ihnen jederzeit ihre Heimat nehmen konnte.
Pillkoppen in meinen Romanen
Auch in meinen Romanen begegnen die Figuren dieser Landschaft.
Ludwig von Schöneck lernen die Leser bereits in „Licht über dem Haff“ kennen. Dort werden seine Jugend, seine Familie und seine Verbindung zur Kurischen Nehrung angelegt.
In „Tanz auf dem Vulkan“ setzt sich sein Weg fort.
Gemeinsam mit Jons führt ihn dieser Weg auch über die Nehrung nach Pillkoppen. Ludwig auf seinem schwarzen Lorbas, Jons auf Blinka – und um sie herum jene Landschaft, die für die Menschen dort niemals nur eine schöne Kulisse war.
Wenn die beiden über die Höhen bei Pillkoppen reiten, bewegen sie sich durch eine Landschaft, deren heutiges Aussehen erst durch den jahrzehntelangen Kampf gegen den Sand entstanden ist.
Gerade das fasziniert mich an solchen Orten.
Die Landschaft wird damit selbst zu einem Teil der Geschichte.
Der Kampf gegen den Sand
Ephas Arbeit steht stellvertretend für eine viel größere Anstrengung.
Über Generationen versuchten die Menschen auf der Kurischen Nehrung, die Folgen der vorausgegangenen Entwaldung wieder unter Kontrolle zu bekommen. Dünen wurden befestigt, Schutzwälle angelegt und große Flächen erneut bepflanzt und aufgeforstet.
Was zuvor durch menschliche Eingriffe aus dem Gleichgewicht geraten war, musste nun mit ungeheurem Aufwand wieder stabilisiert werden.
Und deshalb erzählt die Epha-Düne nicht nur die Geschichte eines bemerkenswerten Mannes.
Sie erzählt auch von den Menschen der Kurischen Nehrung, die sich weigerten, ihre Heimat dem Sand zu überlassen.
Paul Martín
Geschichten aus Ostpreußen
Quellen
Zur Geschichte Pillkoppens, den mehrfachen Verlegungen des Ortes und zur Arbeit Wilhelm Franz Ephas:
Ostpreussen.net – Pillkoppen
Zur historischen Entwicklung der Kurischen Nehrung, Entwaldung, Wanderdünen und den großflächigen Maßnahmen zur Stabilisierung:
UNESCO World Heritage Centre – Curonian Spit
Fotos, Dokumente oder längere Erinnerungen können Sie mir gern per E-Mail senden: paul_martin1@gmx.net
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