Wie Stolperchen seinen Namen bekam

Viele Leser glauben, Stolperchen sei zuerst der kleine Teddybär gewesen. Tatsächlich begann seine Geschichte viele Jahre früher – und ganz anders.

Damals war ich Schriftführer der Eltern-Initiativ-Kindergruppe der Evangelischen Kirchengemeinde Berlin-Wannsee. Die Kindergruppe war ein lebendiger Teil des Gemeindelebens, und viele Eltern engagierten sich mit großem Einsatz.

Eines Tages entstand die Idee, eine eigene Kinder- und Gemeindezeitung herauszugeben. Da sich unsere Kindergruppe im Ortsteil Stölpchensee befand, war auch der Name schnell gefunden: Stolperchen.

Einmal im Monat trafen wir uns in meiner Kellerbar. Dort wurde geplant, diskutiert, geschrieben und gelacht. Jeder übernahm eine Aufgabe. Einige berichteten über die verschiedenen Kindergartengruppen, andere schrieben über Konfirmandenarbeit, Gemeindeveranstaltungen oder besondere Ereignisse. So entstand Monat für Monat eine Zeitung, die das vielfältige Leben unserer Kirchengemeinde widerspiegelte.

Meine Aufgabe bestand darin, alle Beiträge zusammenzuführen und druckfertig zu machen. Damals arbeitete ich noch an einem Computer, dessen Daten auf biegsamen 5¼-Zoll-Disketten gespeichert wurden. Heute wirken diese Datenträger fast wie Relikte aus einer anderen Zeit, doch damals waren sie modernste Technik.

Gedruckt wurde die Zeitung mit der großzügigen Unterstützung eines Elternteils: Manfred Hess, der bei Gebr. Wichmann tätig war. Das traditionsreiche Schreib- und Bürobedarfsunternehmen in der Marienstraße in Berlin-Mitte war weit über die Grenzen Berlins hinaus bekannt. Dort standen die Kopierer, auf denen unsere Zeitung Monat für Monat vervielfältigt wurde. Ohne diese Unterstützung wäre das Projekt kaum möglich gewesen.

Die Resonanz war größer, als wir es uns jemals vorgestellt hatten. Stolperchen wurde schnell zu einem festen Bestandteil des Gemeindelebens. Beim Erntedankfest hatten wir sogar einen eigenen Stand. Es gab Luftballons, kleine Werbegeschenke und einen Luftballon-Weitflugwettbewerb, an dem viele Kinder begeistert teilnahmen.

Rückblickend war die Zeitung weit mehr als nur ein Gemeindeblatt. Hier lernte ich zum ersten Mal, Texte zu schreiben, Beiträge zu sammeln, Seiten zu gestalten und aus vielen einzelnen Ideen ein gemeinsames Ganzes entstehen zu lassen. Damals ahnte ich noch nicht, dass diese Erfahrungen viele Jahre später den Grundstein für meine Arbeit als Schriftsteller legen würden.

Und noch etwas konnte niemand wissen: Der Name einer kleinen Gemeindezeitung würde viele Jahre später einem kleinen Teddybären gehören, der Kinder durch meine Geschichten begleiten sollte. So begann – lange bevor das erste Kinderbuch entstand – die eigentliche Geschichte von Stolperchen.

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