Manche Romane schreibt man in einem Jahr. Renda war anders. Die ersten Kapitel entstanden bereits 2008. Damals wusste ich noch nicht, dass daraus eine Romanwelt werden würde, die mich fast zwei Jahrzehnte begleiten sollte. Figuren kamen hinzu, andere verschwanden wieder. Manche starben, andere fanden erst Jahre später ihren Platz. Dass aus einer kleinen Idee einmal so viele Geschichten entstehen würden, hätte ich damals nie erwartet.
Wenn ich heute zurückblicke, frage ich mich manchmal selbst, warum diese Geschichte so lange gebraucht hat.
Die Antwort ist eigentlich ganz einfach.
Früher brauchte ich regelmäßig Auszeiten. Auszeiten vom Beruf, von den Erwartungen des Alltags und manchmal auch von mir selbst. Einmal im Jahr fuhr ich für einige Tage ans Meer. Mal nach Rerik, mal nach Graal-Müritz, später immer wieder nach St. Peter-Ording. Ich nahm einen einfachen Schreibblock mit, auf dem ich schon früher meine Kindergeschichten geschrieben hatte.
An einem dieser Tage geschah etwas Merkwürdiges.
Ich saß am Wasser, blickte hinaus und plötzlich war ein einziges Wort da.
Renda.
Nicht die Handlung. Keine Figuren. Kein fertiger Roman. Nur dieses eine Wort.
Ich schrieb es auf.
Von da an begleitete mich dieser Schreibblock auf viele Reisen. Während Seminaraufenthalten, in Hotelzimmern oder auf langen Zugfahrten entstanden neue Szenen. Manche davon haben fast unverändert ihren Weg in den Roman gefunden. Andere verschwanden wieder. Damals ahnte ich nicht, dass ich damit den Grundstein für eine Geschichte legte, die mich fast zwanzig Jahre begleiten würde.
Warum gerade St. Peter-Ording für mich immer wieder zu einem Ort des Schreibens wurde, hat übrigens einen ganz persönlichen Grund. Es war der einzige Ort, den ich mit meinen Kindern teilte – nicht mit meiner damaligen Ehe. Vielleicht fühlte sich das Schreiben dort deshalb freier an als anderswo.
Vor vielen Jahren sagte mein Therapeut einmal zu mir:
„Schreiben Sie Ihre Erinnerungen auf.“
Damals dachte ich, daraus würde vielleicht ein Buch.
Heute sind es acht geworden.
Und trotzdem habe ich manchmal das Gefühl, dass noch längst nicht alles erzählt ist.
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