1. Leo und die sprechenden Teddybären

Weißt du noch, wer Leo ist?
Er fand vor einiger Zeit auf dem Dachboden einen alten Teddybären – das Stolperchen.
Der Bär gehörte früher seinem Vater.
Das Seltsame war: Stolperchen konnte sprechen!
Und nicht nur er – alle Teddybären können sprechen, wenn sie alt genug sind.
Doch es gibt ein Problem:
Wenn Kinder größer werden, vergessen sie oft ihre Teddys.
Dann hören sie die Bärensprache nicht mehr.
Aber es gibt einen geheimnisvollen Zauber:
Wenn ein Kind nach 33 Jahren und 33 Tagen wieder mit einem Teddy spielt, kann es die Sprache der Bären verstehen.
Genau das war Leo passiert, als er Stolperchen in der Kiste fand.
Seitdem hatten Leo und Stolperchen viele Abenteuer erlebt.
Er durfte sogar die Teddybärenschule besuchen.
Dort erfuhr er vom alten Lehrer mit Brille, was eine Sausebrausenacht ist –
ein Fest, das nur dann stattfinden kann, wenn Tag und Nacht gleich lang sind,
der Himmel völlig klar ist
und ein starker Wind aus dem Süden weht.
In jener Nacht lernte Leo auch den großen weißen Teddy Bollo kennen.
Sein Fell war schneeweiß, und auf den Schultern trug er rote, weiche Troddeln.
Er wirkte sehr wichtig, sprach aber mit einer warmen Stimme.
*****
Nun lagen Bollo und Stolperchen oft an Leos Seite im Bett.
Über ihm hing die Sausebrausenacht-Medaille, die er damals bekommen hatte.
Die Sonne schob sich durchs Fenster und kitzelte Leo an der Nase.
Doch er schlief weiter – unruhig, mit zusammengezogenen Augenbrauen.
„Wir müssen ihm helfen“, flüsterte Stolperchen.
„Sonst wird er uns bald nicht mehr verstehen.“
Bollo nickte ernst. „Heute ist der richtige Tag. Es ist Sonntag, und bald ist Vollmond.“
*****
Plötzlich schreckte Leo hoch.
Er rieb sich die Augen, gähnte – und sah die Medaille über sich funkeln.
Er sprang aus dem Bett, als hätte ihn jemand gerufen,
und hielt den kleinen Stein in das Sonnenlicht.
Sofort begann dieser zu glühen, als sei er voller Leben.
Die Gravur des Teddys im Stein leuchtete, als wollte sie zu Leo sprechen.
Leo wurde wieder müde, legte sich zurück ins Bett –
und schlief mit der Medaille in der Hand ein.
Bollo und Stolperchen sahen sich an und lächelten geheimnisvoll.
Was jetzt geschehen würde,
das konnte nur Leo selbst herausfinden …
👉 Doch darüber berichte ich in der nächsten Geschichte.
2. Die Rückkehr von Frau Spellinger

Als Leo aufwachte, staunte er. In seinen Händen hielt er die Sausebrause-Medaille. Aber hatte er sie nicht gestern Abend an den Bettpfosten gehängt? Hatte er das nur geträumt?
Zum Glück lagen seine beiden Kuschelbären, Bollo und Stolperchen, noch da. Das war das Wichtigste! Leo rieb sich die Augen, tappte ins Bad, wusch sich und putzte schnell die Zähne. Dann ging er ins Esszimmer. Vielleicht gab es schon Frühstück?
Seine kleine Schwester Hanna kniete auf einem Stuhl und rief:
„Ich will ein Rosinenbrötchen!“
Mama stellte Tassen mit Kakao auf den Tisch, und Papa las in der Zeitung. Leo setzte sich dazu.
Gerade als er einen Schluck trinken wollte, klingelte es.
„Bim-bam“ machte die Glocke, ganz müde. Mama seufzte und ging zur Tür.
„Oh, das ist ja eine Überraschung! Sie sind wieder in der Stadt? Wollen Sie zu Leo? Haben Sie Ihre Enkelin Dorosina mitgebracht? Nein? Schade! Kommen Sie doch herein. Wollen Sie mit uns frühstücken?“
Leo wurde ganz aufgeregt. Dorosina? Enkelin? Ist das etwa Frau Spellinger, die mir meinen Teddybären zurückgebracht hatte?