Handlungszeit: 1970er und 1980er Jahre
Schauplätze: Chile – Curicó, Santiago; Deutschland – Berlin, West und Ost
Nach dem Tod ihres Vaters in Chile wird Alma von Bakin in ein Netz aus familiären Geheimnissen, politischer Schuld und historischen Verstrickungen hineingezogen. Ihr Vater, ein strenger Anhänger Pinochets, hat enge Verbindungen zu alten Kameraden aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs, ehemaligen Angehörigen der Waffen-SS, die in Deutschland untergetaucht sind. Alma entdeckt, dass sie als unscheinbare junge Frau für geheime Kuriertätigkeiten nach Europa geschickt werden soll – um Nachrichten und Geld an diese Männer zu überbringen.
Zwischen der Loyalität zu ihrer Familie und dem wachsenden moralischen Zweifel hin- und hergerissen, sucht Alma Rat bei ihrer Freundin Amparo, deren Familie dem Regime misstraut und heimlich dem Widerstand nahe steht. Schließlich willigt Alma in den gefährlichen Auftrag ein – unter der Bedingung, dass Amparo sie begleiten darf. Beide reisen nach Deutschland, offiziell zum Studium, in Wahrheit jedoch als Teil eines Netzwerks aus alten Nazis, Geheimdiensten und Wirtschaftsverbindungen.
In Berlin führt Alma ein Doppelleben: Nach außen ist sie die unauffällige Veronika, Ehefrau des deutschen Ingenieurs Robert, doch im Verborgenen wird sie von Krause, einem Verbindungsmann des westdeutschen Nachrichtendienstes, beobachtet und zunehmend in verdeckte Operationen verwickelt. Krause erkennt ihre Fähigkeiten und setzt sie als Informantin ein – doch Almas Handlungen überschreiten bald seine Kontrolle.
Als Alma bei der Observation des Logistikunternehmers Hartwig Seidel entdeckt, dass dieser an geheimen Treffen mit einem chilenischen Verbindungsmann beteiligt ist, entscheidet sie sich eigenmächtig zum Handeln. Getrieben vom Wunsch nach Gerechtigkeit und Vergeltung für ihren Vater tötet sie Seidel – gegen Krauses ausdrückliche Anweisungen. Der Mord zieht sie tiefer in das Netz aus Intrigen, Misstrauen und Gewalt.
Schritt für Schritt erkennt Alma das Ausmaß der Verstrickungen: Zwischen Berlin, Zürich und Santiago existiert ein geheimes Netzwerk mit dem Codenamen „Projekt Renaissance“, das alte nationalistische Strukturen finanziert und politische Einflussnahme betreibt. Der Drahtzieher ist Dr. Viktor Hargens, ein ehemaliger SS-Arzt, der nun unter dem Schutz ostdeutscher Institutionen an neuen biopolitischen Projekten arbeitet – Experimente an Menschen eingeschlossen.
Bei einem Treffen in der Charité begegnet Alma Hargens persönlich. Sie begreift, dass er derjenige ist, der hinter dem Tod ihres Vaters steht. Statt sich abzuwenden, beschließt sie, ihm zu folgen – um ihn von innen heraus zu zerstören. Um ihr Leben zu sichern, spielt sie das Spiel mit, lässt sich prüfen, beobachtet, infiltriert und beginnt, eigene Ziele zu verfolgen. Ihre Loyalitäten verschwimmen: zwischen Auftrag, Rache und Selbsterhaltung.
Während Krause zunehmend misstrauisch wird und Roberts Vertrauen bröckelt, gerät Alma in einen Konflikt ohne Ausweg. Jede Entscheidung bringt sie tiefer in die Schatten jener Welt, die sie eigentlich aufdecken wollte. Zwischen West und Ost, Schuld und Gerechtigkeit, Liebe und Verrat wird Alma zur Getriebenen einer Vergangenheit, die nicht vergeht.
Am Ende steht sie an einem Punkt, an dem Wahrheit und Lüge, Auftrag und Rache nicht mehr zu trennen sind – und sie erkennt: Um Hargens zu stürzen, muss sie selbst zur Schattenfigur werden, die sie einst verabscheute.
Leseprobe